VorDenker digitalen Zeitalters?!

Leonhard Euler (1707-1783)

Trotzdem war Eulers gelebte Toleranz bei weitem ehrlicher und ausgeprägter als diejenige seines königlichen Herrn Friedrich II., der sich ihrer nur als Schlag- und Propagandawort bediente und sie stracks vergessen konnte, wenn ihm ihre Anwendung auch nur im geringsten hinderlich war.

Auch wissenschaftliche Besitzansprüche waren Euler fremd; er kannte im Gegensatz zu den meisten Gelehrten aller Zeiten - nie Prioritätshändel, ja er verschenkte zuweilen generös neue Entdeckungen und Erkenntnisse.

In seinen Werken versteckt er nichts, sondern legt die Karten stets offen auf den Tisch und bietet dem Leser die gleichen Voraussetzungen und Chancen, Neues zu finden, ja er führt ihn oft dicht an die Entdeckung heran und überlässt ihm die Entdeckerfreuden - die einzig wahre Pädagogik. Das macht Eulers Bücher dem Lernenden zum Erlebnis, unterhaltsam und spannend zugleich.
Das Gefühl des Neides muss diesem erstaunlichen Menschen absolut fremd gewesen sein; er gönnte jedem alles und freute sich stets auch an den neuen Entdeckungen anderer. Dies alles war ihm nur möglich, weil er geistig so unermesslich reich und psychisch in selten anzutreffendem Maße ausgeglichen war.

Das Phänomen Euler ist wesentlich an drei Faktoren gebunden: erstens an die Gabe eines vielleicht einmaligen Gedächtnisses. Was Euler je gehört, gesehen oder geschrieben hatte, scheint sich ihm für immer fest eingeprägt zu haben. Davon gibt es unzählige zeitgenössische Zeugnisse. Noch in hohem Alter soll er beispielsweise seine Familienangehörigen, Freunde und Gesellschaften mit der wortgetreuen (lateinischen) Rezitation jedes beliebigen Gesanges aus Vergils "Aeneis" entzückt haben, und Protokolle der Akademiesitzungen kannte er nach Jahrzehnten noch auswendig - von seinem Gedächtnis für mathematische Belange ganz zu schweigen. Zweitens war seine gewaltige Gedächtniskraft gepaart mit einer seltenen Konzentrationsfähigkeit. Lärm und Betrieb in seiner unmittelbaren Umgebung störten ihn kaum in seiner Gedankenarbeit: "Ein Kind auf den Knien, eine Katze auf dem Rücken, so schrieb er seine unsterblichen Werke", berichtet sein Kollege Thiébault. [...]


Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716)

Als ihm im März 1673 der erste Minister des dänischen Königs, Graf Guldenlöw, das Angebot unterbreitete, in seine Dienste zu treten, antwortete Leibniz dem Vermittler des Angebots, Habbeus: "Sie kennen mein Naturell, welches nicht darin besteht, so viel Geld als möglich zusammen zu bringen, noch auch mich den üblichen Vergnügungen hinzugeben, sondern meinen Geist zufriedenzustellen, indem ich etwas Greifbares und Nützliches für das allgemeine Wohl leiste. Wenn Sie also glauben, daß Herr von Guldenlöw einen solchen Geist besitzt und bereit ist, offensichtlich nutzbringende und leicht auszuführende Unternehmungen mit seiner Autorität zu unterstützen, dann bin ich bereit, ihm zu dienen ... ich bin nicht gewohnt, mich gewissen politischen Launen einiger großer Herren zu unterwerfen ..."

entnommen aus Büchern der Bibliothek

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